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Eine Leidenschaft fürs Papier


Experimentieren mit Laserschnitten hat Kathrin Biffi fasziniert. Aus Dutzenden von verschiedenen Papieren hat sie auf einer Lasermaschine stets das gleiche Motiv herausgeschnitten. Mit immer neuen Kombinationen von Farbe und Verschieben sind so Werke entstanden, die von Hand kaum realisierbar wären.

Laserkompositionen sind aber nur ein Teil ihres Schaffens mit Papier.


Kathrin Biffi empfängt mich herzlich in ihrem Haus im schönen Wesemlinquartier in Luzern. Mit viel Leidenschaft erzählt sie von ihrer lebenslangen Liebe zum Werkstoff Papier. Biffi ist Papierkünstlerin. Als Kind eines Architekten war sie von klein auf mit Papier vertraut. «Ich war ein Noschi-Chend», sagt sie. Ein Kind, das immer irgendetwas bastelte, klebte, malte.

Lebenslauf und Werdegang der 65-Jährigen sind vom Papier beeinflusst: Als Kindergärtnerin bastelte sie viel mit den Kindern. «Fast zu viel!» meint sie. Während der Ausbildung zur Werklehrerin lernte Biffi Papier schöpfen. Ihr Garten war dafür der perfekte Versuchsort. Aus jeder Pflanze schöpfte sie ein eigenes, spezielles Papier. Als sie dann als Künstlerin tätig wurde, faszinierte sie wieder mehr der Umgang mit maschinell hergestelltem Papier. Heute arbeitet sie fast ausschliess­lich mit zwei Arten von Papier: Wachspapier (Käsepapier) und Transparentpapier (Architektenpapier). So hat sie wieder zum Papier ihrer Kindheit zurückgefunden.

Verschiedene Aspekte des Papiers faszinieren die Künstlerin Biffi: Da ist zum einen das Profane des Papiers. Papier gibt es überall. Es gehört für uns zum Alltag. Die Herausforderung besteht für Biffi darin, dieses Alltägliche zur Kunst zu machen. Zum anderen faszinieren sie die Sensibilität und Zerbrechlichkeit des Papiers. Papier ist wie unser Leben. Sie sagt: «Man ist doch selber auch so verletzlich und muss Rückschläge in Kauf nehmen.»

Biffi stellt aus Papier Kunst her. Sie schneidet, faltet, schichtet. Dabei schneidet sie nicht mit der Schere, sie benutzt den Cutter. Manchmal arbeitet sie mit blossen Händen, zerknittert das Papier, kreiert Höhen und Tiefen. Farbe wird bewusst eingesetzt. Oft wird erst durch das Imprägnieren mit Farbe eine Struktur sichtbar. Biffi arbeitet mit einem grossen Formenschatz. Sie forscht mit Rundungen, Wellen, Dreiecken und vielem mehr.

Ein wichtiger Teil von Biffis Kunst ist das Arrangieren des Papiers. Geschnittene Papiere werden dabei so versetzt übereinandergelegt, dass neue Durchblicke entstehen. Diese Papierreliefs erfahren auch durch den Einfluss von Licht Veränderungen. Biffis Arbeit ist eine stete Auseinandersetzung mit dem Werkstoff und der Form. Sie sagt: «Papier offenbart alles. Man wird zum genauen Schaffen gezwungen.»

Für eine andere Serie von Papierbildern arbeitete Biffi mit dem Laser. Der Laser ist für sie ein Hilfsmittel, mit dem sie einen speziellen Ausdruck erzeugen kann. Wichtig ist ihr dabei, was sie mit den Laserschnitten macht, wie sie sie arrangiert, schichtet. Der Laser stellt für sie keine Konkurrenz zum Scherenschnitt dar. Man kann ihn als Hilfsmittel gebrauchen, er wird den von Hand geschnittenen Scherenschnitt aber nie verdrängen. Biffi bewundert das stupende Handwerk des traditionellen Scherenschnitts. Sie hinterfragt jedoch manchmal dessen künstlerische Aussage. «Für mich muss ein Bild noch offen sein. Es muss zum Denken anregen.»

Biffi findet Inspiration in der Natur: Wasser in all seinen Formen, der Wellengang, die vernetzten Strukturen in Pflanzen. Diese widerspiegeln für sie die Themen, die sie beschäftigen und die sie in ihrer Kunst ausdrücken möchte: zum Beispiel das Immerwiederkehrende (Jahreszeiten), Zusammenhänge in der Geschichte, aber auch und vor allem die Vernetzung.

Die Vernetzung ist für sie als Künstlerin sehr wichtig und sie lebt sie auch selber. Sie ist seit Jahren Mitglied von IAPMA (International Association of Hand Papermakers and Paper Artists), eine Vereinigung, die Papierschaffende in der ganzen Welt zusammenbringt und vernetzt.

In ihrer Performance «Wasser, Stein, Papier», bei der ihre Papierobjekte dem schnellen Wasserlauf der Maggia standhalten muss­ten, lernte die Künstlerin wieder neue Aspekte ihres geliebten Werkstoffes kennen. Eine Videokünstlerin machte davon Aufnahmen, die man auf Biffis Webseite ansehen kann (www. kathrinbiffi.ch).

Früher wegen ihrer Kunst aus Papier belächelt, ist Kathrin Biffi heute eine anerkannte Künstlerin. Ihr Wissen und ihre Leidenschaft für das Papier gibt sie in Kursen weiter. Für ihre Papierkunst wurde sie mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem 1. Preis der Internationalen Triennale du Papier, Musée de Charmey, 2005.

 

Text: Katharina Cuthbertson